Kapitel 2

   Ein ganz “normaler” Tag ...

Nareth: Himmel Weib, du machst mich nervös mit deinem Auf und Abgerenne. Was ist los?
   Ich versuche mich nicht über das Weib aufzuregen, Schließlich weiss ich, dass es für meinen fiktiven Begleiter ein ganz alltäglicher Begriff ist. Trotzdem sehe ich ihn mürrisch an.
Ich: Ich suche meine Schere.
Nareth: Da liegt doch eine.
Ich: Nicht die! Meine Gartenschere!
Nareth (stirnrunzelnd): Was ist eine Gartenschere?
Ich: Na, eine Schere für den Garten. Für Pflanzen und so.
Nareth: Du schneidest Pflanzen?
    Er sieht mich an, als hätte ich den Verstand verloren. (Nun ja, ich unterhalte mich grade mit einem fiktiven Charakter, also liegt er wahrscheinlich gar nicht so falsch.)
Ich: Die brauch ich für die Arbeit.   
Nareth: Was bringt einen Menschen dazu Pflanzen mit einer Schere zu schneiden?
Ich: Interessiert es dich, oder willst du dich nur wieder über das 21. Jahrhundert lustig machen?
Nareth: Beides.
    Na toll. Dann darf ich mir wieder stundenlang anhören, wie viel besser es doch im Südreich sei. Trotzdem beschließe ich zu antworten.
Ich: Pflanzen müssen eben hin und wieder geschnitten werden.
Nareth (kopfschüttelnd): Soll das heißen du jagst mich tagein tagaus durch die übelsten Situationen, während du den Tag damit verbringst Pflanzen zu schneiden?!
    Wir haben uns wieder einmal unversehens auf gefährliches Terrain begeben. Seine Einstellung zu meinen Ideen hat sich in letzter Zeit zusehends verschlechtert. Themawechsel angesagt!
Ich: Ich mache ja auch andere Sachen! Aber jetzt brauche ich eben die Schere!
Nareth: Dann such sie, ohne herumzuhetzen wie eine aufgescheuchte Ratte, das macht mich wahnsinnig!    
   Vielleicht hätte ich einen Mann mit mehr Geduld und einem berechenbareren Gemüt erfinden sollen.
   
Ich (mürrisch): Dir kann man in letzter Zeit auch gar nichts Recht machen. Was regt dich denn so auf?
    Er verschränkt die Arme vor der Brust und sieht mich abweisend an.
Nareth: Nichts.
    Ich stemme die Hände in die Seiten. Da hält er mich vom Suchen ab und spielt dann den unnahbaren Draufgänger. Männer!
Ich: Machen wir einen Deal. Du sagst mir was dich so stresst, und ich versuche meine Schere langsamer zu finden?
Nareth: Einen was?
    Ich verdrehe die Augen. Himmel, können wir beide nicht mal dieselbe Sprache sprechen? Nie wieder Fantasy-Bücher!
Ich: Eine Vereinbarung!
Nareth: Na schön.
Ich: Also, was ist los mit dir?
Nareth: Ich bin gestresst, weil ich nicht weiss was passieren wird, aber du scheinst es zu wissen.
Ich: Du redest von unse.... von deinem Buch?
     Er sieht mich wieder an, als wolle er mich gleich an den Füßen aus dem Fenster hängen, weshalb ich einen Schritt zurückweiche.
Nareth: Es ist kein Buch! Es ist Realität. Nur eben nicht die deine!
Ich: Schon gut, tut mir leid.   
Nareth: Entschuldige dich nicht, sag mir lieber, was passieren wird.
    O-oh... ganz ganz doofes Thema.
Ich: Das kann ich nicht.
Nareth: Du willst nicht!
Ich: Du würdest anders handeln, wenn du es wüsstest. Ein Mensch sollte seine Zukunft nicht kennen.
Nareth (schnaubend): So übel wird es also, ja?
Ich: Was hast du erwartet?   
Nareth: Ein wenig Frieden... ein paar Erfolge.
    Ich zwinge mich durchzuatmen. So schlimm ist es ja eigentlich nicht. Eigentlich... Eigentlich ist ein beschissenes Wort, fällt mir auf.
Ich: Kannst du es nicht einfach auf dich zukommen lassen?   
Nareth: Tu ich, ja. Es ist nur schwierig ruhig zu bleiben, wenn das, was da auf einen zukommt, sich mit lautem Donnergrollen ankündigt.
    Ich lausche in die Stille. Den Witz begreift er nicht, oder findet ihn absolut nicht komisch. Sein tödlicher Blick ist mal wieder erschütternd und das, obwohl ich mich langsam daran gewöhnt haben sollte.
Nareth: Machst du dich über mich lustig?!
Ich (hektisch): Nein! Natürlich nicht!
Nareth: Was sollte das dann eben?
Ich (seufzend): Ich versuch doch nur dich ein bisschen abzulenken, du kriegst noch Falten wenn du weiterhin so grimmig kuckst.
Nareth: Das hättest du dir vielleicht überlegen sollen bevor du....
Ich: STOP! Nicht spoilern!
Nareth: Nicht was?
   Eines Tages werde ich wegen dieser Sprachbarrieren noch wahnsinnig. Also... noch wahnsinniger, meine ich.
Ich: Du sollst nichts verraten!
    Nareths Stimmung nähert sich exponentiell dem Gefrierpunkt.
Nareth: Du schreibst dieses Gespräch auf?! Ist das dein Ernst?!
    Diesmal suche ich mein Heil in der Flucht. Jedenfalls für ein paar Meter, bis ich mich daran erinnere, dass zwischen mir und dem impulsiven Krieger mehr als nur ein paar Dimensionen liegen. Glück gehabt. Wenigstens kann ich jetzt in Ruhe die verdammte Schere suchen...